Kneipen auf der Borsbergstraße

Auf dem Etikett der Bierflaschen einer bekannten dänischen Brauerei prangt ein aussagekräftiges Werbebild. Ein älterer Mann steht ziemlich erschöpft am Rande einer staubigen Landstraße und wischt sich den Schweiß von der Stirn. So oder ähnlich mag man sich eine Wanderung aus längst vergangenen Tagen entlang der Pillnitzer Chaussee vorstellen, zumal selbige ebenfalls staubig und ohne nennenswerten Schatten war. Da musste der Mensch ja durstig werden, aber erst weit nach dem Schwenk in Richtung Altstriesen gab es eine Einkehrstätte, den "Sächsischen Prinzen" Am 2. April des Jahres 1756 erteilte der sächsische Kurfürst Friedrich August dem Hofuhrmacher Johann Gottfried Naumann - so feine Leute wohnten damals schon in Striesen - die Erlaubnis und Freiheit auf seinem Gute Dresdner Stadtbier zu zapfen und zu verschenken, der "Prinz" war geboren. Allerdings war diese Erlaubnis mit der Auflage verbunden, dass kein weiterer Striesener Bürger mehr eine Zapf- und Schankerlaubnis erhält. Zwei Jahre später erhielt Striesen dann doch noch die Erlaubnis zum Reiheschank. Wie das Dresdner Stadtbier geschmeckt hat ist unbekannt, muss allerdings nicht besonders toll gewesen sein, denn die Striesener Bürger wollten das wohl bessere Pillnitzer oder Gorbitzer Bier in ihren Humpen haben, welches jedoch strikt abgelehnt wurde. Später erhielt der Gasthof noch einen prunkvollen Saal. Allerdings schloss dieses Etablissement im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts, als ein Lichtspieltheater, der Gloriapalast, darin einzog. Nur noch das Prinzengässchen erinnerte an diesen Gasthof, bis dieser mit all den umliegenden Häusern und auch dem Prinzengässchen im Feuersturm des 13. Februar 1845 unterging.
Auf dem Gebiete der jetzigen Borsbergstraße gab es nichts, im wahrsten Sinne des Wortes. Erst um 1860 siedelten sich die ersten Einwohner, in Form von Gärtnereien, an diesem Straßentrakte an und diese hatten nun bis zur nächsten Kneipe einen weiten Weg zurückzulegen, wie ein gewisser Herr Nitzschke bei der Begründung einer Konzessionserteilung im Jahre 1875 treffend bemerkte. Wer war nun dieser Herr Nitzschke, klären wir dieses auf und kommen so zur ersten Kneipe auf der heutigen Borsbergstraße.

Der Brauereischank

Auf der Seite über die Striesener Brauerei wird er schon kurz angerissen, der Schank in eben diesem Etablissement. Es war Sebastian Riepl, welcher ein Konzessionsgesuch zum Ausschank seines selbstgebrauten Bieres im Jahre 1870 stellte. In diesem heißt es:

    "In meinen hiesigen Brauereilocalitäten wünsche ich Schankwirtschaft anzulegen und persönlich zu betreiben, um hierdurch theils mehr Absatz des von mir selbst gebrauten Bieres zu erzielen, theils aber auch die Localitäten höher zu verwerthen, da solche in ihrer Anlage sich hierzu ganz eignen"

Sebastian Riepl erhielt die Konzession, aber aus irgend einem Grund wurde der wohl fertig gestellte Schank nicht eröffnet, denn nach dem Besitzerwechsel der Brauerei, nun im Besitz des Herrn Nitzschke, beantragte dieser ebenfalls wieder eine Konzession zum Bierschank und für Kaltspeisen und pries neben dem schon oben genannten Gründen auch die Lage in einen schattigen Garten und die Ausstattung der Räumlichkeiten an. So bestand nach diesen Angaben die Lokalität aus einem großen "Gesellschaftssalon mit Billard nebst zwei Seitenzimmern". Nun, auch Nitschke bekam die Konzession, verpachtete diese jedoch an seinen ehemaligen Oberkellner Friedrich August Lotze. Schon ein Jahr später wechselte der Pächter und von nun an wurde der Bierhahn von Herrn Alexander Leopold Leschke auf oder zu gedreht. Dieser wollte es jedoch nicht nur beim Bierschank belassen, sondern auch Hochprozentiges in seiner Kaschemme anbieten. Auf Antrag bekam er dazu die hochamtliche Genehmigung. jedoch wurde er damit nicht allzu glücklich, denn schon am 3. März 1876 trat ein neuer Pächter auf den Plan, Karl Friedrich Thieme. Selbiger wollte vom schmuddeligen Kaschemmenniveau wegkommen und beantragte neben den mit seiner Übernahme schon genehmigten Bier- und Branntweinschank auch den Weinschank. Von Seiten des Gemeinderates lag, nach einer üblichen Erörterung von Konzessionsgesuchen in den Gemeinderatssitzungen, gegen dieses Gesuch und auch wohl gegen die Person Thiemes nichts vor, und so wurde auch der Weinschank gestattet. Irgendwie brummte jetzt der Laden, jedoch nur der des Ausschankes, denn die Brauerei machte Pleite und einer aus der Rieplfamilie, Emil Johann Leonhard, erwarb selbige und auch den Ausschank wieder zurück. Den Ausschank verpachtete er jedoch sofort an den Restaurateur Friedrich Hermann Schladitz.
Dieser führte den Ausschank mit zunehmenden Erfolg, nebenher entstand ja der Neu- und Erweiterungsbau der Brauerei. Auch er erweiterte den Schank beträchtlich, gestaltete, wir würden heute sagen, eine Art Erlebnisgastronomie. Die alte Kegelbahn wurde abgerissen, eine neue gebaut. Es gab Kinderspielplätze, Billardspiele und auch die Gesellschaftszimmer wurden angehübscht. Und Schladitz ließ sich immer wieder etwas neues einfallen. Ob er allerdings mit der Einladung zum Großen Vogelschießen der Dresdner Vogelwiese Konkurrenz machen konnte, das war wohl fraglich. Aber auch Karussells wurden zur Freude der großen und kleinen Kinder ab und zu aufgestellt, was dem Gemeinderat allerdings gleich wieder veranlasste in das Geldsäckel des Herrn Schladitz zu greifen. Zur Ehre dessen sei aber gesagt, dass diese außerplanmäßige Steuereinnahme der Striesener Armenkasse zu gute kam. Aber bleiben wir einmal beim Biergarten. Über eine höchstmerkwürdige Gelegenheit wusste der "Elbthalbote" am 18. Oktober 1884 zu berichten:

    "Bekanntlicherweise ist die Controlle bei der Dresdner Pferdebahn weit umständlicher als irgendwo anders. Heute ereignete sich indeß hier ein Curiosum, daß in der künftigen Geschichte des Straßenbahnwesens einen Platz verdient. Ein Controlleur hat nämlich im Stillen den großen Birnbaum neben unserer trefflichen Brauerei von Riepl bestiegen, um von da oben das Benehmen der Conducteure nach der hier endenden Fahrt zu visitieren. - vielleicht um eine Strafcigarre zu entdecken, oder was sonst. In die Heiterkeit der Passanten mischte sich indeß über diese Neuerung einige Indignation und der Wunsch, die Herren Controlleure möchten recht oft die Promptheit und Raschheit der Fahrt, die Luftcirculation in den Wagen und Bequemlichkeit des Publikums mehr von unten, als von oben betrachten."

Ob der Herr Controlleur neben seiner anstrengenden Tätigkeit auch von einem Seidel nippte, das wird verschwiegen. Nicht verschwiegen jedoch soll, dass es eben auch im Jahre 1884 innerhalb der Striesener Gastwirte einen vehementen Streit darüber gab, ob der edle Gerstensaft in 0,4 Liter Gläsern oder in der "Halbeliterklasse" ausgeschenkt werden durfte. Letztlich siegten die "Wünsche des Publikums" und das größere Glas machte das Rennen, was sicher auch dem Geschäfte dienlicher war.
Bleiben wir aber beim Striesener Brauereischank und gehen einige Jahre zurück. Emil Riepl beantragte, als oberster Dienstherr in seinem Familienbetrieb, im Jahre 1880 die Genehmigung zur Hausschlachtung von Kleinvieh und Schweinen. Nach einer Begehung des Schlachthauses wurde diese erteilt und die bekannten und beliebten Schlachtfesten in der Brauereirestauration aus der Taufe gehoben. Im allgemeinen war der Brauereischank in der Striesener Bevölkerung sehr beliebt, ging es doch da etwas uriger zu als im Prinzen oder im steifen Hammers Hotel. Und nichts ist der Hebung des Bierkonsums dienlicher als durstige Kehlen. Diese haben allemal Männergesangsvereine und Feuerwehrmänner. Erstere wurden besonders gern im Herbst eingeladen, wo sie die anstehenden Bockbieranstiche durch das "zum Vortrag bringen von ernsten und heiteren Liedern und Couplets" amüsanter werden ließen, nach dem 4. Glase war das sicher auch zu ertragen, und die Jünger Florians hielten hingegen in der Frühjahrszeit ihre Vorführungen nebst nachfolgender Sausen im Garten des Brauereischankes ab. Muss eine ganz feuchtfröhliche Veranstaltung gewesen sein.
Bis zum Jahre 1905 war Hermann Schladitz seinen durstigen Kunden treu, dann übergab er den Zapfhahn an Wilhelm Höhne. Dieser Kneiper hatte vielleicht nicht so das richtige Händchen, schon zwei Jahre später wechselte wieder der Zapfer. Diesmal hieß er Peter Lütjen, welcher gleich eine technische Neuerung einführte, das Telefon im Schankraum. Während des 1. Weltkrieges bediente Emma Urban die Schankanlage, Lütjen diente wohl im kaiserlichen Heer. Emma Urban ehelichte dann August Philipp, welcher dann die Geschäftsführung übernahm und vielleicht weil die Zeiten zu schlecht waren, oder weil die gesamten Brauereigebäude den Besitzer wechselten, jedenfalls im Jahre 1919 war Schluss. Die wohl urigste Kneipe Striesens hatte aufgehört zu existieren und die Räume bezog eine kleine Chemiefabrik. Das Ehepaar Philipp jedoch übernahm das auf der gegenüberliegenden Straßenseite gerade frei werdende Striesener Gesellschaftshaus. Im Jahre 1945 versanken die Gebäude von Brauerei nebst Ausschank in Schutt und Asche. Heute halten noch einige trinkfreudige Mitbürger die Tradition des Biertrinkens unweit der Stelle des einstigen Biergartens, nun vor dem Eingang des "Kaufland" gelegen, hoch. Die Feuerwehr ist auch jeden Tag zur Stelle, holt sich wohl die Frühstücksbrötchen für die nahe Feuerwache Striesen vom Bäcker. Männergesangsvereine wurden bisher nicht wieder gesichtet.

Die Porsbergschänke

Als um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert der Gärtner Simmgen sein Areal zum Kauf anbot, da schlugen der Rentner Kelle und der Architekt Pappe zu und erwarben, nebst anderen Latifundien, dessen Gelände an der Porsbergstraße und ließen im Jahre 1899 das Gärtnergebäude abreißen um das Bauland gewinnbringend zu verhökern. Der Deal gelang und der Baumeister Carl Friedrich August Noske aus Dresden erwarb dieses Bauland und investierte. Da laut Straßenbebauungsplan an dieser Stelle eine Straße in die Porsbergstraße einmünden sollte, die verlängerte Huttenstraße, sie bekam allerdings später den Namen Krenkelstraße, sollte es ein stattliches Eckhaus sein und Noske dachte sich wohl, wenn schon Eckhaus, denn schon mit Eckkneipe. Dieses Haus war übrigens eines der ersten Neubauhäuser an der Porsbergstraße, schon im Jahre 1901 fertig gestellt und das Gastwirtsehepaar Gottlieb und Pauline Karpe eröffneten die zweite Lokalität, neben dem Brauereischank, auf der Porsbergstraße. Sicherlich sehr beargwöhnte die Oberin des benachbarten kath. Marienhauses für allein stehende Mädchen und Frauen, Mutter Kuberg, das lotterhafte Treiben einer nachbarlichen Gastwirtschaft in der Sorge um ihre Schützlinge. Einige Zeit später wurde jedoch diese Stelle katholischer Frömmigkeit abgerissen um den Neubau einer Kirche Platz zu schaffen. Gottlieb Karpe konnte sich jedoch nicht lange seiner Rolle als Gastwirt erfreuen, schon ein Jahr später verstarb er und seine Witwe führte die Lokalität zunächst weiter, bevor sie das Etablissement im Jahre 1904 an Franz Sülze veräußerte. Dieser betrieb die, nun Borsbergschänke - wir schreiben ja das Jahr 1904 - genannt, Wirtschaft als gemütliches Restaurant nebst einer kleinen Bierstube, im Dresdner Volksmund liebevoll "Schdeebiebe" genannt. Es ist allerdings derzeit unbekannt wie das Geschäft florierte und ob er eine ernst zu nehmende Konkurrenz für den Brauereischank war. Spätestens mit der Eröffnung des noch zu beschreibenden Gesellschaftshauses auf der Borsbergstraße rissen sich ja nun drei Kneipen um die Gäste. Noch nicht mitgezählt der Artushof am Fürstenplatz, der "Prinz" in der Schandauer Straße und die entstehenden Kneipen ringsum, die Palmenschänke, die Mosenschänke, den Grafen Waldersee und den Krenkelhof an der Haydnstraße (ja richtig, Haydnstraße - darüber wird noch zu sprechen sein). Lange hatte Sülze aber sowieso nicht Zeit über Erfolg und Misserfolg seines Gastronomiekonzeptes zu sinnieren. Im Jahre 1907 erwarb ein gewisser Herr Franz Sengewitz, seines Zeichens Apotheker, das Haus nebst Grundstück und wollte, in den besten Jahren stehend, seinen Traum von der Verwirklichung einer eigenen Pillendreherei ausführen. Ob er seinen Namensvetter Franz aus den Räumen warf oder ob dieser freiwillig auszog ist unbekannt. Fakt ist, die Rosenapotheke etablierte sich in die Lokalität. Mutter Kuberg hätte dieses gewiss schon früher sehr gerne gesehen.
Sülze war indes nicht lange Kneipen- und Arbeitslos. Er übernahm die mit an der Schandauer Straße unweit gelegene Hirschschänke. Diese wiederum trug ihren Namen nicht wegen eines röhrenden Waldtieres, sondern nach dem ihres Erstbesitzers. 1945 brannte das Gebäude mit der Hirschschänke aus, wurde aber wieder aufgebaut und als Kaufhaus Kittel eröffnet. Später dann Magnet Kaufhaus. Heute werden darin nur noch im Erdgeschoß Polstermöbel verkauft, aber ein Dönerstand hat zumindest noch den faden Hauch einer Gastronomie. Mit den Ausflug in die Schandauer Straße, nun zurück zur Borsbergstraße.

Das Striesener Gesellschaftshaus

Im Jahre 1902 erwarb der Baumeister Bruno Zeisig das schon einige Zeit brachliegende Gelände der ehemaligen Kunst- und Handelsgärtnerei Weißbach. An der Seite zur neu entstehenden Müller Berset Straße ließ auch er ein Eckhaus mit Geschäftsräumen errichten. Den Raum in der verbrochenen Ecke bezog zunächst ein Grünwarenbüdchen, damals Viktualienhändler genannt. Jedoch schon ein Jahr später hängte Herr Zeisig seinen Beruf als Baumeister an den Nagel und versuchte sich als Gastronom. Den Gemüsefritzen warf er kurzerhand raus und an Stelle des etwas zu groß geratenen Kohlrabibüdchens richtete er sein "Striesener Gesellschaftshaus" ein. Im Jahre 1906 begab er sich in den Ruhestand, verkaufte Haus und Grundstück nebst Kneipe und zog in die Wormser Straße. Von da an führte Emil Rostig, nebst Ehefrau Emilie, die Geschicke des Ecklokales. Allerdings nur bis zum Jahre 1910, dann bewirtete Franz Menzel seine Gäste und zapfte bis nach den ersten Weltkrieg sein wohl immer dünner werdende Bier, welches wohl kaum noch einer kaufte. Er gab die Lokalität auf und das Gastwirtehepaar Philipp vom geschlossenen Brauereischank übernahm die Räumlichkeit. Die Zeiten nach dem Ende des Krieges wurden jedoch für Gastronomen auch nicht besser. Als dann noch mit der Weltwirtschaftskrise die Inflation einsetzte, kostete ein halber Liter Millionen. Das konnten sich die Leute einfach nicht mehr leisten und die Kneipe machte schlichtweg Pleite. Jedoch blieben die Rollläden nicht allzu lange unten, war doch das Striesener Gesellschaftshaus, nach der Wandlung der Porsbergschänke in die Rosenapotheke im Jahre 1907 und dem Niedergang des Brauereischankes im Jahre 1919, nunmehr als einzige Gastwirtschaft auf der Borsbergstraße anzusehen. Ein Umstand, welcher sich bedauerlicherweise bis heute hält. Kurz nach Einführung der stabilen Mark und der Rückkehr zu normalen Bierpreisen eröffnete Anton Kaps das Etablissement, allerdings auch nicht für lange. Man sieht, Besitzerwechsel im Kneipenmilieu sind auch nicht gerade eine Erfindung des Krenkelhofes, und nun meine ich damit den heutigen Krenkelhof. Von nun an hieß es Frau Wirtin im Striesener Gesellschaftshaus. Martha Wedel hieß die gute Frau. Aber auch diese übergab den Staffelstab recht bald, im Jahre 1932, an Rudolf Wenzel. Dieser ging mitsamt seiner Kneipe in der Bombennacht unter. Nach der Trümmerberäumung entstand auf dem Areal das Betonwerk, nach dessen Schließung und Abriß das Studentenwohnheim. Jedoch genau an dieser Stelle wo sich das Striesener Gesellschaftshaus befand, auf dem Grundstück der Borsbergstraße 30, da bedeckt grüner Rasen den mit Trümmerresten zugeschütteten Keller der Restauration.

Die Kantinen auf der Borsbergstraße

Kutscher sind im Allgemeinen immer durstige Leute, das galt natürlich auch für selbige Herren jener Zunft, welche bei der Pferdebahngesellschaft angestellt waren, hatten sie ja auch noch den Vorteil, dass sie, da ihr Gefährt ja zwangsgelenkt, die Spur nicht halten mussten. Zwar herrschte bei diesem Unternehmen ein strenges Regime und es gab ein unbedingtes Rauchverbot im Wagen und auf dem Perron, jedoch gestattete eine Dienstanweisung ausdrücklich das mäßige Trinken von Bier zur Löschung des Durstes. Also schnell noch vor dem Ausrücken vom Straßenbahnhof noch einen heben? Das war doch das Geschäft. Und so beantragte der Pferdebahnkutscher Friedrich Wilhelm Anding die Eröffnung einer Kantine und erhielt die diesbezügliche Konzession. Auf der Seite über den Straßenbahnhof ist ja darüber mehr zu lesen. Es blieb jedoch nicht die einzige nichtöffentliche Kneipe auf der damaligen Straße J. Auch Gärtner haben durstige Kehlen und im Wonnemonat Mai des Jahres 1886 erteilte der Gemeinderat einem Gärtner die Schankgenehmigung für alle ansässigen Gärtnereibetriebe der Umgebung. Auch hier nur für die Gärtner und ihre Gehilfen und nur für die Sommermonate. Leider ist eigenartigerweise im Gemeindebuch darüber kein Eintrag zu finden, nur diese kurze Pressenotiz im "Elbthalboten", so dass nicht festgestellt werden kann in welcher der zahlreichen Gärtnereien an der Straße J sich diese Kantine befand. Alle weitere Konzessionsgesuche von anderen Gärtnern schlugen jedoch fehl. Mit dem Eingehen der Gärtnereien und der Schließung der Andingschen Kantine im Straßenbahnhof endete auch die Zeit der nichtöffentlichen Gastronomie. Heute jedoch gibt es wieder eine solche, der Studentenclub im Hause des Studentenwohnheimes.

Was hat es nun mit dem Krenkelhof auf sich. Als ich zu dieser Seite umfassende Recherchen anstellte, hatte ich auch die Möglichkeit einen Zeitzeugen der 30er Jahre zu befragen. Beiläufig erwähnte dieser, dass der Krenkelhof zu dieser Zeit eine übelste Nazikaschemme gewesen sei und nannte auch den Namen des Wirtes. Bei der Gegenrecherche stellte ich jedoch fest, das der Krenkelhof nie von einen Wirt selbigen Namens betrieben wurde, damit legte ich die Sache zur Seite, nahm es als verwaschene Kindheitserinnerung dieses Zeitzeugens zur Kenntnis. Später erst, bei weiteren Recherchen tauchte dieser Name in Bezug des Krenkelhofes noch einmal auf und so wurde die Sache, obwohl nicht zur Borsbergstraße gehörend, doch interessant für mich und dabei fand ich heraus, dass der jetzige Krenkelhof nur den Namen des einstigen Krenkelhofes übernommen hatte. Der einstige Krenkelhof befand sich an der Ecke Krenkelstraße/Haydnstraße, dort wo sich heute eine Freifläche mit einem Zigarettenautomaten befindet. Die, heute ungarische, Gaststätte mit dem Namen Krenkelhof hieß bis 1945 "Zum Grafen Waldersee". Als nach 1945 der Walderseeplatz umgenannt wurde, mußte auch der Name des Lokals, des einzigen in der Trümmerwüste, weichen. Kurzerhand übernahm der damalige Wirt einfach den Namen des zerstörten Krenkelhofes.

Doch bleiben wir bei der Trümmerwüste. Nun gab es keinerlei Gastronomie mehr auf der Borsbergstraße. Bis eben den Krenkelhof, von Paul Hüllmann betrieben, in der Nachbarschaft und den Artushof am Fürstenplatz, welcher nun den Namen des am letzten Kriegstage ermordeten Dresdner Arztes Rainer Fetscher trägt. Dieser Artushof wurde von Rudolf Radisch betrieben, welcher ihn, sicher mehr oder minder freiwillig einige Jahre später aufgab, hatte er sicher auch nicht mehr als "zeitgemäße Speisen und Getränke" zu bieten, wie in einer kleiner Werbeanzeige zu lesen ist. Am 9. April 1949 wurde das Haus von "Intourist" wieder eröffnet und warb mit einer großflächigen Werbeanzeige in der Sächsischen Zeitung mit Getränken und Speisen für jedermann und in großer Auswahl. Na so toll kann das im Jahre 1949 sicher auch nicht gerade gewesen sein. Jedoch gefielen die Räume und in einem dieser zog schon einige Tage später die Einsatzleitung für die Ziegelbergungsaktion.

Das Cafe Borsberg

In den Aufbauplänen der Borsbergstraße fand sich auch das Projekt einer Einrichtung eines Cafes. Und siehe da, nicht immer gerade üblich und es geschehen manchmal Wunder, das was geplant, wurde auch gebaut. Und so entstand im Neubau der Borsbergstraße 29c ein vorgelagerter eingeschossiger Gebäudeteil, in welchen das besagte Cafe Borsberg eingerichtet und am 1. September des Jahres 1959 eröffnet wurde. Die Sächsische Zeitung wusste unter der Überschrift "Eine neue Perle" darüber folgendes zu berichten:

    "Der HO Gaststätten-Kreisbetrieb Mitte eröffnete gestern, 13 Uhr, das mitten im Aufbauzentrum von Striesen stehende "Cafe Borsberg". Seinen Namen erhielt es auf Grund eines Preisausschreibens der Stadtredaktion der "SZ". In einer kurzen Zusammenkunft mit Vertretern vom Rat der Stadt und des Stadtbezirkes Mitte, der IG Nahrung und Genuss, der Bauleitung, des DFD, der Nationalen Front und auch den drei Gewinnern des Preisausschreibens kam zum Ausdruck, dass alle Mitarbeiter bestrebt sind, diese aufs Modernste eingerichtete Erholungsstätte mit Hilfe der Bevölkerung auch zu einem kulturellen Zentrum werden zu lassen. Durch ausgezeichnete Gaststättenkultur soll das beste geboten werden.
 Über 100 Gäste finden im Lokal und 50 bis 60 auf der Veranda Platz. Die Öffnungszeiten sind auf 10 bis 24 Uhr festgesetzt. Vom Kaffee in allen Variationen, von Konditoreiwaren, alkoholfreien- und haltigen Getränken über Eisspezialitäten bis zu preiswerten Kaltspeisen ist alles vorhanden, was dem Angebot eines Cafés entspricht. In zwei Schichten arbeitet das 40 Mann starke Personal, und seine Arbeitspausen kann es im hellen Aufenthaltsraum verbringen. Reichlich Keller- Lager- und Kühlräume gewährleisten, dass den Anforderungen der Gäste entsprochen werden kann. Durch Druck auf einen Knopf wird ein Mechanismus ausgelöst, und die eine Glaswand versinkt. Dadurch können Café und Veranda miteinander verbunden werden."

Und in der Tat, das Absenken der großflächigen Fensterscheiben war schon eine Novität und ich fand es als Kind außerordentlich faszinierend, wie die Scheiben in der Versenkung verschwanden. Der Vorplatz vor dem Cafe wurde einige Jahre später noch mit einer Plastik von Magdalena Kreßner verschönt. Diese zeigt ein Tänzerpaar, zwei Radebeuler Volkskünstler standen dafür Modell. Innen- und Außenplätze des Cafe Borsberg waren immer gut besetzt (Sie werden plaziert!), wobei man über die Qualität der Speisen und Getränke in der späteren Zeit geteilter Meinung sein kann. Dieser Umstand war allerdings nicht immer dem Küchenpersonal oder dem Kellermeister anzulasten, sondern hatte wohl auch seine Ursache in den bekannten Problemen der Versorgung innerhalb der DDR im allgemeinen und in Dresden im besonderen. Ende der 80er Jahre begann eine umfassende Rekonstruktion, in die jedoch die so genannte Wende herein platzte. Zwar wurde das Cafe noch einmal eröffnet, jedoch waren Restaurants in dieser Größe nicht mehr so gefragt und eines Tages wurde das Cafe Borsberg für immer geschlossen. Nach längerem Leerstand handelt hier eine Filiale der Drogeriekette Rossmann. Zumindest eine Flasche Wein zum mitnehmen kann man in diesem Ladengeschäft erstehen.

Auch heute gibt es wieder nur eine Kneipe auf der Borsbergstraße. Elis. hervorgegangen aus dem Fahrradgeschäft, in welchem sich nach 1990 sogar einmal kurze Zeit eine ganz besondere "Handelsqualität", ein Pornoladen befand. Den so genannten Koffer auf dem Areal der Mosenstraße als Kneipe zu bezeichnen ist ja wohl geschmeichelt und die beiden Imbisslokale der asiatischen Mitbürger kann man auch allenfalls als Kantine bezeichnen.

*   *
*