gartenbaulogoDie Gärtnereien an der Straße J

Die Straße J durchschneidet das Striesener Gebiet in nahezu zwei Hälften und trennt, ob bewußt angelegt oder zufällig die zwei Bodenarten, welche in Striesen anzutreffen sind. Sandboden nördlich und hervorragender Ackerboden südlich der Linie Straße J. Besonders Gewächse welche sauren Boden bevorzugen, wachsen prächtig auf Striesener Erde. Betreten wir dem am südlichen Rande Striesens angelegten Großen Garten, so fällt uns der im Rondell des Geländes der kriegszerstörten Großen Wirtschaft, ein riesiger Rhododendronbusch auf. Es ist das Überbleibsel eines einst angelegten Rhododendrongartens und leider auch das einzige, was man in der etwas heruntergekommenen Einöde des Geländes der Geländes der Großen Wirtschaft sehenswert ist.
Was hat nun dieser Rhododendrongarten, außer der Nähe Striesens noch mit der Straße J zu schaffen?

Wenn von der Straße J zu sprechen ist, so denkt der Geschichtsinteressierte natürlich nicht nur an die Dampf-Bierbrauerei von Riepl, sondern auch an die vielen Gärtnereien, welche es an der Straße J einst gab. Das Striesener Adressbuch aus dem Jahre 1887 nennt an der Straße J, allerdings in gesamter Länge - also bis zur heutigen Altenberger Straße, sage und schreibe 21 größere und kleinere Gärtnereien. Hinzu kommen noch die Feldfluren, welche von den Landwirten der Vorstädte bestellt wurden. Die Mehrzahl dieser Gärtnereien befanden sich jedoch entlang der Straße, welche heute den Namen Borsbergstraße trägt. Die wohl bekannteste und größte Gärtnerei war die von Traugott Jacob Seidel, geführt von Hermann Seidel und Rudolf Seidel jun., wobei Hermann Seidel den wohl größten Bekanntheitsgrad genoss. Und eben diese Gärtnerei Seidel war der Schöpfer des Rhododendrongartens an der Großen Wirtschaft. In Laubegast, wohin die Gärtnerei später zog und erst nach der so genannten Wende ihre Zucht einstellte, erinnert eine Straße an den erfolgreichen Moorpflanzenzüchter. Aber kehren wir zu seinem Stiesener Anwesen zurück. An der J Straße 2 befand sich einst die 15 Hektar große Gärtnerei. 6000 qm Glasfläche in 23 Gewächshäusern gewährleisteten optimale Anzucht für Azaleen, Kamelien und Rhododendren.

Somit war die Gärtnerei eine der größten auf Striesener Flur. Heute erinnert nichts mehr daran, vielleicht einige Rhododendrensträucher in den Vorgärten der Stadtvillen. Die Gärtnerei ist mit der Krenkelstrasse und deren stadtseitigen Grundstücken überbaut. Gleich gegenüber, Straße J 1 und 3, befanden sich die Gärtnereien von Friedrich Karl und August Julius Schäme. Ihre Gärtnereien fielen später dem Neubau der Herz Jesu Kirche zum Opfer. Bemerkenswert auch die Gärtnerei von Hermann Freudenberg, Straße J Nummer 13. Dieser züchtete neben Azaleen und Rhododendren auch gefüllte Primeln und Maiblumen. Heute befinden sich dort die noch stehenden Gründerzeithäuser der Borsbergstraße. Die Gärtnerei Guido Geißler, einst Maibier, erwarb sich ebenfalls verdienste in der Moorpflanzenzucht, hatte aber auch als zweites Standbein eine Baumschule und  Obstbäume und hochstämmige Beerensträucher im Angebot. Zu nennen sind noch die Gärtnereien von Simon Hermann Simmgen, Friedrich Bley, Paul Gäbler, Robert Weißbach und Karl Oskar Hartl. Alles mittlere und kleinere Gärtnereien, welche erfolgreich Zierpflanzen zogen. Der Gemüseanbau war jedoch an der Strasse J nicht vertreten, höchsten für den Eigenbedarf produzierten die Gärtnereien wohl Möhren, Gurken und Petersilie.
Die größte Baumschule an der Pillnitzer Chaussee soll jedoch ebenfalls Beachtung finden. Im Jahre 1882 gründete O. Porscharsky seine Baumschule, dieser hatte schon sehr zeitig eine Filiale in Laubegast und zog sich, nachdem sein Baumschulgelände an der Straße J geräumt und später überbaut wurde, ganz in diesen Vorort Dresdens zurück, bevor er auch dort wegen fortschreitender Bebauung aufgeben musste.

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