borsbergDer Borsberg bei Pillnitz

Bevor ich mit der Geschichte der Borsbergstraße fortfahre, möchte ich erst einmal den Berg vorstellen, welcher der Borsbergstraße ihren Namen gab. Eigentlich untypisch, wurden doch nach der Eingemeindung zu Dresden die meisten Straßen in Striesen nach Malern, oder Orten bzw. Personen der Reformation benannt. Oder wollte man eine Namensdopplung der nach Pillnitz führenden Straße mit der Pillnitzer Straße vermeiden? Immerhin führt ja die Straße, als einstige Pillnitzer Chaussee in diese Richtung und auch der der Borsbergstraße angrenzende Teil der einstigen Straße J erhielt den Namen Schandauer Straße, zumindest führt heute die Verlängerung der Borsbergstraße entlang der Elbe als Elberadweg in diese Stadt des Elbsandsteingebirges. Sei es wie es sei, wenden wir uns einmal dem Berge zu, der dieser Straße den Namen gab. Für den geologisch Interessierten sei gesagt, dass der Borsberg das Kennzeichen für die Lausitzer Überschiebung einer großtektonischen Störungszone der Erdkruste von der Adria bis in die Gegend von Hamburg ist. Diese wird auch als Elblineament bezeichnet. Der Granit wurde auf den Kreidesandstein geschoben, danach brach im Pleistozän der Elbtalgraben ein und die Elbe floss nicht mehr nach Nordosten sondern nach Nordwesten ab.
der BorsbergEs heißt im allgemeinen, zumindest im Dresdner Osten, dreimal muss man auf dem Borsberg gewesen sein. Einmal als Kind, einmal mit seinen Kindern und einmal mit seinen Enkeln. Nun gut, einige schaffen es gar nicht erst einmal, die meisten Menschenkinder wandern wohl häufiger auf den Gipfel und der höchsten Erhebung des Schönfelder Hochlandes über Pillnitz. 355 Meter, andere Quellen nennen andere Höhen, ist dieser Berg hoch, man kann ihn also bequem erwandern. Meist geht der Weg von Pillnitz aus durch den Friedrichsgrund, vorbei an der Meixmühle, hinauf zum Borsberge. Aber auch der Weg von der künstlichen Ruine hinauf, entlang der Jagdwege ist reizvoll und zu jeder Jahreszeit zu empfehlen. Einst hieß dieser Berg der "Golk". Das soll im Slawischen "kahle Kuppe" heißen. Demnach scheint der Borsberg einst später aufgeforstet worden zu sein. Der Name Borsberg stammt wiederum vom am Bergrücken liegenden Dorfe und seinen Namensursprung im slawischen Boris haben. Dieser gründete wohl einst die Ortschaft. Seit dem Jahre 1780 führt der Golk den amtlichen Namen des Dorfes, welches allerdings einst Porsberg geschrieben wurde. Erst im Jahre 1904 "verweichte" man das P, der Sachse spricht es sowieso nur "babsch" aus.
Blick vom BorbergImmer wieder zog und zieht der Borsberg und der romantische Weg dahin Maler und in neuer Zeit begeisterte Landschaftsfotografen an. Das rechts stehende Gemälde von einen Kunstmaler Namens A. Mühlig zeigt in einer etwas verkitschten Art den Ausblick von den Hängen des Borsberges aus das Elbsandsteingebirge. Übrigens wurde einst für den sächsischen Hof ein Verzeichnis angelegt, in dem die Namen der zu sehenden Gesichtspunkte, so der Chronist, penibel verzeichnet waren. Man kann, laut dieser Liste, vom Borsberg sehen: 188 Berge, 274 Dörfer, 11 Städte, 5 Schlösser, die Festung Königstein, und 32 Vorwerke und Mühlen. Also ich habe das noch nicht nachgezählt und auch so im Ganzen noch nicht gesehen, zumal das Aussichtsgerüst nun überhaupt nicht mehr zum Besteigen einlädt. Damit ist nun auch gesagt, dass auch die Mitglieder des sächsischen Königshauses gerne auf dem Borsberge verweilten. Und auch andere berühmte Herrschaften sollen ihre Füße auf den Namenspatron der Straße in Striesen gesetzt haben. So zum Beispiel Alexander von Humboldt, Schoppenhauer, Jean Paul, Theodor Körner und sicher auch Carl Maria von Weber und Richard Wagner.
historische Ansichtskartehistorische AnsichtskarteGraf Marcolini lies im Jahre 1780 auf Befehl des Königs Friedrich August des Gerechten auf dem Gipfel eine künstliche Grotte, die Eremitage errichten, worauf dann das Aussichtsgerüst entstand. Für Speise und Trank wurde schon recht früh gesorgt. In den Jahren 1825 bis 1827 entstand auf dem Gipfel eine königliche Hofküche, welche allerdings auch, welch nette Geste, die vom Wandern hungrig und durstigen Landeskinder versorgte. Die im Türgewände eingelassene Jahreszahl 1819 zeigt allerdings, das schon vorher auf dem Gipfel ein Gebäude gestanden haben muss. In den Jahren 1871 bis 1872 wurde das Haus zu dem heute noch stehenden, allerdings geschlossenen, Bergrestaurant nebst Hotel umgebaut. Ja geschlossen, auch die noch heute daneben stehende kleine Imbissbude ist mit Brettern vernagelt, die Eremitage droht einzustürzen und auch dem Aussichtsgerüst sollte man, wie schon geschrieben, nicht zu nahe treten.
Aussichtsturm und TriangulierungssäuleDoch was hat es mit der Säule neben dem baufälligen Aussichtspunkte zu tun? Wenden wir uns jener zu, so können wir die Inschrift lesen, dass sich auf dem Borsberge eine Station der Mitteleuropäischen Gradmessung mit der Jahreszahl 1865 befand. Eine weitere neuere Tafel erinnert an Professor Christian August Nagel, dem Begründer der, so wörtlich: "Königlich Sächsischen Triangulirung" von 1862 bis 1890 und wurde vom Landesvermessungsamt Sachsen angebracht. Die Triangulierung war die erste exakte Vermessung Sachsens, wobei der Borsberg wie der Kahleberg, der Keulenberg und der Goldenen Höhe bei Bannewitz eine Station 1. Ordnung darstellte. Von diesen Stationen konnte man die Meßpunkte auf den Meridianstein bei Rähnitz, heute volkstümlich als Hellerauer Butterfaß bezeichnet, anvisieren. Einige Meter abseits der Säule steht der heute übliche Stein mit der Markierung eines Meßpunktes
Zu bemerken ist noch, dass im Jahre 1909 eine farbige Versuchsmarkierung zur Kennzeichnung der Wanderwege erfolgte. Ein grüner Strich zeigte den Weg von Pillnitz über die Hohen Brücken bis nach Wünschendorf. Der durchschlagende Erfolg, es kamen jetzt wohl noch mehr Wanderer mit durstigen Kehlen, ermutigte die Ortsgruppe des Gebirgsvereins für die Sächsische Schweiz, einen Rundwanderweg zu markieren, der den Borsberg als Etappenziel beinhaltete.

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