Der zweite Ausbau der Porsbergstraße

Ende der 80er Jahre des 19. Jahrhunderts mehrten sich die Stimmen ob der Gestattung einer geschlossenen Bauweise in Striesen, der nun endlichen und längst überfälligen Beschleusung und überhaupt des Ausbaues des Verkehrsweges von Dresden in Richtung Laubegast. Namentlich wurden insbesondere der Verkehr zu den Friedhöfen genannt. Auch andere Annehmlichkeiten der neueren Zeit sollte in Striesen Einzug halten. Der Ingenieur Fedor Burgmann (so in den Akten geschrieben, ich denke allerdings es handelt sich eher um Feodor Borgmann M.S.) trat an die Gemeinden Striesen und Blasewitz heran, ob der Errichtung einer Gasanstalt. Die Ortsgewaltigen Striesens scheuten allerdings die sich mit der eventuellen Errichtung dieser Anstalt verbundenen langjährige Konzessionierung und Abhängigkeit und fragten, etwas durch die Blume, wie die Stadt Dresden über eine Eingemeindung denke. Dresden tat erst einmal erstaunt, verlief doch ein ähnliche Anfrage, welche vor fast 20 Jahren schon einmal gestellt worden war, damals im Sande. Nichts desto trotz, gefräßig war der Dresdner Löwe schon immer, nach einer relativ kurzen Verhandlungszeit wurde der Vorort im Jahre 1892 von Dresden geschluckt. Interessant ist dabei, dass in der Anfangszeit der Verhandlungen der Name Striesen getilgt werden und dieser Stadtteil zu Johannstadt geschlagen werden, oder mit Dresden Ostvorstadt bezeichnet werden sollte. Glücklicherweise wurde dieser Unfug schnell ad acta gelegt. In den Beschlüssen zur Eingemeindung wurden, neben der wohl besonders wichtigeren gesetzlichen Beibehaltung der Pfründe der Ortsbeamten, auch die Vorangehensweise bei der Einlegung der Schleusen und der Gasleitungen festgelegt. Namentlich ist hier auch die Straße J benannt, welche mit an erster Stelle bei der Gasversorgung stand.
Also gut. Straße auf, Gasleitung rein, Straße zu. Straße auf, Schleuse rein, Straße zu. Straße auf, Wasserleitung rein.... man mag gar nicht an weitere Neuigkeiten wie Telegrafenleitungen und Stromversorgung denken, sowohl auch die Dresdner Straßenbahn die Strecke endlich auch zweigleisig ausbauen und verlängern wollte. Zwar hat sich mitunter bis heute solche Unkoordiniertheit beibehalten, aber im Falle der nun so heißenden Porsbergstraße kam man überein, alles in einem Rutsch zu erledigen und dabei gleich die Straße auf die jetzige Breite von über 22 Metern (incl. Fußwege) auszubauen, endlich auch die beschädigte Chaussierung abzutragen und den Trakt in voller Breite zu bepflastern.
Zunächst blieb es, wie immer, aber erst einmal beim alten. Lediglich die Gleise wurden neu eingelegt und das gesamte Gleisbett neu bepflastert. Ob die gewünschte Gasleitung auch schon eingebaut worden ist, lässt sich derzeit nicht ermitteln. Um die Jahrhundertwende setzte jedoch ein Bauboom an der Porsbergstraße ein. Übrigens, wer weiß schon dass sogar einmal ein Zirkusgebäude auf der "Borsi" geplant war? An der Ecke Porsbergstraße und der noch zu erbauenden nördlichen Anton Graff Straße, plante der dänische Zirkusunternehmer Wulff einen imposanten Kuppelbau. Allerdings hat man schon kurze Zeit später nie wieder etwas davon gehört, der Zirkus war wohl pleite. Aber andere Bauherren nicht und immer mehr Häuser wurden fertig gestellt und jeweils die Fußwege schon mit angelegt. Nun wurde es auch allerhöchste Zeit mit dem Ausbau der Straße, zumal auch die letzte Engstelle auf der gesamten alten J Straße, die Brücke über den Prohliser Landgraben auf der nunmehrigen Schandauer Straße beseitigt war. Für knappe 13000 Mark verlegte die Firma Dyckerhoff & Widmann den Übergang etwas weiter südlich und baute eine 22 Meter breite Bogenbrücke aus Beton mit Sandsteinbrüstungen.
Im August des Jahres 1903 wurde mit dem grundlegenden Ausbau der Porsbergstraße begonnen und am 22. August des Jahres 1904 wurde die gesamte, nun Borsbergstraße, dem Verkehr übergeben Mit etwas mehr als 107000 Mark waren die Baukosten ein wenig höher als die Veranschlagung (104000 Mark), aber auch das ist ja nichts grundlegend neues. Bepflastert wurde die Straße mit so genannten Grünsteinen zweiter Kategorie, aber noch heute liegen diese Pflastersteine und warten auf ihren endliche Ausbau. Übrigens, die heutige Carlowitzstraße und Spenerstraße bekam bei dieser Gelegenheit gleich die Doppelfahrbahnseitige Anbindung. Die damaligen Grundstücksbesitzer traten diesmal ohne großes Lamentieren die benötigten Streifen der Stadt ab. Auch neue Bäume, Gaskandelaber und  Oberleitungsmaste wurden gesetzt. Bis zum ersten Weltkrieg waren auch alle Häuser fertig gestellt. Der letzte Hochbau auf der alten Borsbergstraße war der Neubau des Sparkassengebäudes an der Carlowitzstraße, welcher erst in den Kriegsjahren des zweite Weltkrieges fertig gestellt wurde und somit als einer der letzten zivilen Bauten vor 1945 in Dresden überhaupt gelten kann.

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