Die Borsbergstraße in den 30ern

Schließen wir einmal die Augen und begeben uns auf eine gedankliche Reise in die gute alte Zeit der 30er Jahre, wandeln entlang des brausenden Verkehrs auf der Borsbergstraße vom Fürstenplatz bis zur Geisingstraße und unternehmen einen kleinen Schaufensterbummel. Wir benutzen, von der Innenstadt herkommend, einen der kleinen Hechtwagen der Straßenbahnlinie 2 und verlassen, bevor dieser in die Fürstenstraße einbiegen wird, die Haltestelle am Fürstenplatz. Diese befindet sich zu dieser Zeit nicht an der Stelle in an der sie Jahre später sein wird, sondern auf dem Trakt der Fürstenstraße. Die von Säulen getragenen Vordächer der Trafostation beziehungsweise das kleinen Verkehrshäuschens, das Pendant auf der stadtwärtigen Seite dienen als Fahrgastunterstände.

 Dort wo der Artushof steht und in landwärtiger Richtung gesehen sich der Turm der katholischen Herz Jesu Kirche erhebt, da sind wir richtig.
Nein, der Artushof gehört eigentlich nicht zur Borsbergstarße, gehört zum Fürstenplatz, genauer gesehen lautet die Postanschrift Fürstenstraße, und doch gehört er immer wieder dazu und soll den Anfang unseres kleinen Bummels bilden. Wir bleiben auf der linken Seite der Straße und laufen in Richtung der Kirche. An einem Torbogen über den Eingang prangt die Nummer 1. Einst hatte hier der Lichtbildner Curt Pause sein Atelier, in dessen Räumen hat sich nun leider die Ortsgruppe Tannenberg der NSDAP breitgemacht. Im Hinterhause befindet sich der kleine private Kindergarten von Frau Hildegard Zippel. In den folgenden Gebäuden, Nummer 3 und 5, befinden sich Rechtsanwaltpraxen und Wohnungen der so genannten besseren Gesellschaft, zumindest für solche die sich dafür halten. Nach der Überquerung der Anton Graff Straße kommen wir zum Haus Nummer 11 in dem sich die ersten beiden Läden befinden. Im Geschäft von Georg Tsigaras bewundern vor allem die Jungen seine zum Verkauf ausgestellten tollen Fahrräder und können sich dann doch nur vom ersparten Taschengeld einen neuen Fahrradschlauch leisten, so der alte den Geist aufgegeben hatte. Das daneben liegende kleine Blumenlädchen von Margarethe Liebscher finden sie dagegen nicht ganz so interessant. Um das daneben liegende Haus machen sie dann lieber einen großen Bogen, denn eine Behandlung vom Facharzt für Hals- Nasen und Ohrenkrankheiten Dr. Walter Stock jun. ist, wenn mitunter auch nötig, bestimmt nicht gerade angenehm und die im gleichen Hauses praktizierende Allgemeinmedizinerin Dr. Hildegard Köster weiß auch die Spritze sicher zu führen. Im Dachgeschoss des Hauses bepinselt die Kunstmalerin Gertrud Steinbach ihre Leinwände. Es folgt die Herz Jesu Kirche und gleich darauf überqueren wir die Krenkelstraße. Hier beginnt die geschlossene Bebauung der Borsbergstraße. Gleich an der Ecke können wir ein Rezept in der Rosenapotheke von Franz Sengewitz einlösen oder uns etwas gegen alle möglichen und unmöglichen Zipperlein besorgen. Als diese Häuser an der Borsbergstraße entstanden, da betrat man wohl mit besseren Gefühlen die Ladentür, denn einst befand sich hier eine Kneipe. Die verblassenden Aufschriften an der Fassade sind heute noch zu erkennen. Neben der Apotheke hat die ältliche und etwas schrullige Witwe Anna Ahnert ihr kleines Schreibwarengeschäft und der Schuhmacher Emil Hamisch seine Besohlanstalt. Ich sage be- und nicht ver-, um die vorgenannten Jungen nach dem Besuches des Ärztehauses nicht noch mehr zu verschrecken. Nebenan können wir uns bei Bäcker Köhler ein paar Semmeln oder ein Brot holen. oder, wie wäre es mit einem schönen Stückchen sächsischer Eierschecke? Im Nachbargeschäft bietet der erst kürzlich eingezogene Hermann Meier Lebensmittel feil und etwas für kleine und große Leckermäulchen hält der Schokoladenhändler Wiesinger bereit, welcher dieses Geschäftsamt seines süßen Warenbestandes von Uhligs übernommen hatte.
Neue Latschen können wir bei Berthold Grabe, welcher sein Geschäft hochtrabend Schuhhaus nennt erstehen. Sein Vater Friedrich betrieb einst die Handlung für lederne Fußbekleidung auf der gegenüberliegenden Straßenseite, in der Hausnummer 16 und vermietete sie an einen gewissen Nauschütz, wie wir auf diesem Bild aus vergangenen Tagen erkennen können. Aber bleiben wir noch auf der linken Seite. Gleich neben Grabes gab es was zum Unterziehen für Grabes Latschen. Der auf der Dresdener Hauptstraße ansässige Alfred Bach versucht auch mit einer Filiale auf der Borsbergstraße mit seiner Wäschehandlung, Strumpf- und Wollwaren, den Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen. Fritz Schmidtchen dagegen, ein Ladengeschäft weiter, handelt mit Milch, Butter, Eiern und Käse. Im Hintergebäude hat der Böttgermeister Kietzsch seine Werkstatt. Zu Schmidtchens Molkereiprodukte gibt es dazu passend im Nachbarhause bei Bäcker Uhlemann die Brötchen und zur Verdauung im Zigarrengeschäft von Alfred Strinitz etwas zu rauchen. Duftende Essenzen für die Körperpflege, aber auch einfache Kernseife und Waschmittel aus dem Hause Henkel, können wir bei Martha Barfuß erwerben. Die Bewohner der Borsbergstraße und der Umgebung nennen dieses Lädchen nur die "Kleine Drogerie". Was hält das nächste Geschäft für uns bereit? Natürlich wieder etwas zu schnabullieren. Diesmal Wurst und Fleisch in der Fleischerei Heinze und daneben gibt es Schulhefte und Stifte, Ansichtskarten und Briefpapier, ja, sogar edle Montblanc - Füllhalter bei Emilie Gutzmann. Es folgt das Eckhaus zur Mosenstraße. Zunächst macht eine Filiale der Vereinigten Pommerschen Meiereien mit ihrer Konkurrenz dem dem zuvor genannten Milchhändler Schmidtchen das Leben schwer, es folgt der Salon der Friseuse Hulda Waldmann und danach können wir das Eckgeschäft, eine Eisenwarenhandlung, welcher ein gewisser Robert Baumgärtel, hervorgegangen aus der Handelsfirma Baumgärtel & Hollmann. betreibt betreten. Diese Handelsfirma hatte ihr ihr Geschäft schon im Jahre 1906 in den Räumen dieser einstigen Drogerie eingerichtet und bietet jeher Haushaltartikel, Eisenwaren und Werkzeuge an.
Wir überqueren die Mosenstraße, schauen mit Entsetzen hinauf, auf den provokatorisch stets im vollen Naziwichs im immer geflaggten Fenster stehenden "Goldfasan", wenden unsere Blicke dann aber doch lieber wieder gleich zurück in die Schaufenster des Kolonialwarenhändlers Falke. Wenn uns einmal die Sicherung durchbrennen sollte, der im selben Hause residierende Elektroinstallateur Hugo Kynast weis sicherlich Rat und eilt zu Hilfe, auch können wir, wieder einmal, unsere Schuhe beim Schuster Joseph Ahnelt neu besohlen lassen. Im Nachbarhause gibt es Wollwaren bei Georg Jaroslawski und Blumen bei Ernst Gaschütz, welche wir zweckmäßigerweise auch gleich telefonisch unter der leicht zu merkenden Rufnummer 30020 bestellen können. In den oberen Etagen hat der Allgemeinmediziner Dr. Karl Weiß seine Praxis und auch ein Paragraphenhengst namens Bahmann berät mehr oder minder eigennützig seine Mandanten. Im Geschäft der Hausnummer 31 handelt Franz Gaudernack mit photographischen Bedarfsartikeln, wie man wohl Fotoapparate, Filme und Fotochemikalien etwas gehobener nennt. der am ruhiger gelegenen Walderseeplatz wohnende Kaufmann betreibt noch ein etwas größeres Geschäft am Körnerplatz. Auf dem weiteren Wege entlang der Borsbergstraße hören die Geschäfte erst einmal auf, das Erdgeschoß der weitern Häuser dient reinen Wohnzwecken. Nur im Hinterhof gibt es noch den Heizungs- und Rohrleitungsbau von Satine & Rittershaus. Kurz vor der Tittmannstraße steht noch ein einzeln stehendes Haus aus der Zeit der Straße J. Hier können wir bei Otto Merzdorf Lose der sächsischen Lotterie kaufen, Wetten abschließen und zur Beruhigung ob des zu erwartenden Gewinnes oder Verlustes eine der angebotenen Zigaretten rauchen. Max Mixdorf bietet die immer seltener werdenden Südfrüchte an und in den Räumen der einstigen Buchhandlung Teßner, der Besitzer dieses Hauses Dittrich schrieb gar ein klein wenig Literaturgeschichte, können wir Bettwaren bei Frau Werthschütz kaufen oder unsere Überzüge und Kuschelkissen reinigen lassen.
Nach dem Überschreiten der alten Striesener Hauptverkehrsader, der Tittmannstraße, handelt ein Herr Mylius mit der Fauna in Form von Zierfischen und Singvögeln, ein Herr Zabel mit der Flora in Form von Grünpflanzen und Schnittblumen und Fritz Bolland versucht sich mit dem Verkauf von Radioapparaten und Zubehör über Wasser zu halten. Gut behütet werden wir bei Jenny Böttner und wenn uns unser Kopp gar nicht mehr gefällt, Paul Gast frisiert uns einen neuen Haarschmuck. Auch Erdmann Anders betreibt hier sein Zweiggeschäft seiner "Trikotagen, Strumpfwaren, Herrenartikel und Korsettwarenhandlung" im selbigen Hause, in dem sich in der ersten Etage neuerdings auch das Abschnittskommando Ost des Polizeipräsidiums befindet. Im Nachbargebäude, die ausgebaute alte Striesener Brauerei, stellt Franz Hermann Loebel seine ätherischen Essenzen her. Nach der Überquerung der Spenerstraße  befindet sich das Grundstück des längst außer Betrieb gegangenen Straßenbahnhofes Striesen. Hier repariert Leonhard Kreß Motorräder und Automobile und verkauft selbige, vornehmlich der Marke Hanomag, an die zahlungskräftige Kundschaft. Neuerdings soll es dort auch bald Wagen fürs Volk geben, glaubt man den großspurigen Anzeigen mit samt der angepriesenen Sparverträgen. Hinter der Geisingstraße grüßt die Wettinapotheke, aber das ist schon "Ausland", ist die Schandauer Straße und soll uns hier nicht mehr interessieren.
Wir überschreiten daher in Höhe der Geisingstraße die Borsbergstraße und wandeln auf der anderen Seite wieder zurück in Richtung Innenstadt. Gleich zu Beginn die Tankstelle der Deutsch Amerikanischen Petroleumgesellschaft. Die Zapfsäulen zweckmäßigerweise gleich gegenüber der Kreß´schen Autowerkstatt und ich höre schon manchen Chauffeur ob der hohen Spritpreise fluchen. das Gebäude nebenan, noch aus dem vorigen Jahrhundert stammend und den Erben des ehemaligen Striesener Gemeinderatsmitglieds Carl Kleber gehörend, dient neben der Praxis eines Kindervorsorgearztes reinen Wohnzwecken. Staunend betrachten wir die große Baugrube an der Ecke zur Carlowitzstraße. Dicke Betonwände im Kellerbereich lassen außergewöhnliches erahnen, das können nicht nur die neuerdings bei Neubauten vorgeschriebenen Luftschutzräume werden.. Ein Blick auf die Bautafel verrät, hier baut die Stadtsparkasse Dresden die neue Filiale Striesen und der meterdicke Beton werden die Tresorräume. Auch munkelt man, dass in weitere Geschäfte des entstehenden Doppelhauses eine Filiale der im Dresdner Westen ansässigen Schokoladenfirma Gerling & Rockstroh, sowie ein Elekro- und Rundfunkgeschäft einziehen will.
Wir überqueren nun die Doppelfahrbahn der Carlowitzstraße und treten wieder ein in das quirlige Leben der Borsbergstraße. Zunächst werden wieder einmal, hoffentlich nicht zu kleine. Brötchen beim Bäckermeister Matthes gebacken. Auch Tabakwaren sind im selben Hause zu bekommen und im Nachbargebäude bietet der Juwelier Juhrs seine Klunker an. Daneben gibt es Fleisch und Wurst bei Fleischermeister Schulze und das zweite Schuhgeschäft, diesmal das von Ida Wochutka. Luise Herlitzer betreibt ihr Kramlädchen und schicke Klamotten fertigt wohl Schneidermeister Anton Bustry. Einige Schritte weiter bietet der "Görlitzer Waren Einkaufsverein" seine Lebensmittel an. Im selben Hause kann man sich im Wäschegeschäft von Martha Schramm seine Aussteuer zusammenkaufen und im Hause Nummer 30, dass ist da Eckhaus, gibt es Milch und Molkereierzeugnisse bei Herrn Thielemann. Uns zieht es aber mit beschleunigtem Schritte zum Eckgeschäft, denn dort gibt es endlich ein kühles Blondes, in der zu dieser und auch langen Zeit einzigen Kneipe auf der Borsbergstraße, im Striesener Gesellschaftshaus.
Gestärkt, aber hoffentlich nicht wankend, überschreiten wir die Müller-Berset-Straße und betrachten die Auslagen der Geschäfte im Eckgebäude. Da wären erst einmal die Drogerie "Zum weißen Kreuz". Ein Ableger der Drogerie gleichlaufenden Namens auf der Kesselsdorfer Straße (mein Gott, warum haben Drogerien und Apotheken manchmal Namen die immer an die von Kneipen erinnern), der Schneidermeister Max Friebel ist immerzu für seine Kunden zu Diensten, das Lebensmittelgeschäft von Ernst Horbank verkauft wiederum Fressalien und dann duftet es verführerisch aus dem Kaffeelädchen von Anna Schlott. Emil Stefan betreibt sein "Cigarren - Spezialgeschäft en gros - en detail", Dora Falkenhainer schwingt das Bügeleisen in ihrer Dampfbügelei und es gibt auch wieder einmal eine Schuhmacherei. Im ersten Stock es Hauses zieht Dr. Ranft wohl manch kranken Zahn und mal so zur Abschreckung, ein gewisser Herr Naeke, seines Zeichens Gefangenenwachtmeister kann ertappte Langfinger gleich mal mitgehen lassen. Im Nachbarhause gibt es für den verwöhnten Gaumen die Fasold´sche Wild- und Feinkosthandlung und Klempnermeister Riescher betreibt hier seine Werkstatt. Wenn Herr Fasold auf Grund von Schonzeit keinen Rehrücken bieten kann, seinen Fleischbedarf kann der hungrige Bürger bei Fleischermeister Schramm nebenan decken. Wem dann die Klamotten vom vielen rumgefresse nicht mehr passen, im Hause residiert Frau Schneidermeisterin Martha Wünsche, die dir dann wohl manchen Wunsch in der Klamottenänderung erfüllen dürfte.

Die angrenzende Borsbergstraße 26 bietet wieder einmal etwas ganz  neues, einen Bäckerladen. Diesmal den von Kurt Kranke und die bekannte Molkerei Gebrüder Pfund betreiben im Hause eine Filiale ihres Molkereiimperiums. Brauchst dir aber nicht die Nase an der Schaufensterscheibe platt zu drücken, dieses Nebengeschäft ist nicht so ganz pompös eingerichtet wie das Hauptgeschäft in der Bautzner Straße.
Hat man sich beim Verzehr etwas bekleckert, auch kein Problem. Die chemische Reinigung, Dampfbügelei und Kunststopferei Tempo Hermann Holtmann zaubert prompt das kleine Malheur hinweg. Frau Ida Wirthgen betreibt nebenan ihr Ofensetzergeschäft und auch einen Fahrradladen gibt es wieder. Drahtesel und anderes technisches Zeugs kann man bei Herbert Hauschild erstehen. Herr Figelus treibt einen schwunghaften Handel mit Fluß- und Seefischen und hat sich als zweites Standbein ein Autofuhrlohngeschäft geschaffen. Einen Meilenstein in der Geschichte der Reklamemalerei setzten, bald hätte ich sie vergessen, die Brüder Georg und Lothar Marx mit ihren Reklameschildern, welche sie im Siebdruckverfahren herzustellen pflegen. Im Eckhaus zur Mosenstraße gibt es einen Augenoptiker mit den bezeichnenden Namen Glaser, die Werkstatt des Elektromeisters August Braune, den Laden von Hermann Wenzel, die Filiale der Märkschen Wäscherei, die Friseuse Gertrud Wenk und endlich die bekannte Dekorations- und Möbelhandlung der Gebrüder Schencke, wo sich vor allem die Damenwelt der öfters ausgestellten Nippsachen erfreut.
Nach der Überquerung der Mosenstraße wiederum die Filiale eines Molkereibetriebes, diesmal die des in Laubegast ansässigen Unternehmens Naake. Gertrud Seyfert verwöhnte mit Schokoladenartikeln und noch einmal eine chemische Reinigung, der Großbetrieb Kelling betreibt hier eine Annahme- und Ausgabestelle. Ein Herr Naake, leider ist nicht bekannt ob selbiger mit der Familie des Molkereiunternehmens bekannt ist, verkauft Lampen und Elektromaterial und Bernhard Schröder Kolonialwaren. Im Nachbarhause, das ist Borsbergstraße 18 c die "Große Drogerie", wir grüßen kurz rüber zur "Kleinen" von Frau Barfuß, die "Borsbergdrogerie und Fotohandlung Walter Funke". Endlich der Herrenfriseur und Barbier Paul Hennig. Ganz besonders Geschäftstüchtig erweist sich der Kaufmann Max Oelmann. Zunächst handelte er mit Fahrrad- und Beleuchtungsgegenständen, erweiterte später sein Angebot auf Sport- und Herrenartikel und betreibt nun einen leider schwunghaften Handel mit NS Bedarf. Ach, hätte er doch die Finger von diesem braunen Schrott gelassen, die nächsten Jahre werden der Welt und auch der Borsbergstraße viel Leid und Verderben damit bringen. Es folgt wiederum eine Wasch- und Plättanstalt sowie die Zoohandlung von Max Ritschel.
Nebenan gibt es für den Herren von Welt exquisite Kleidung in der Herrenmodewarenhandlung von Charlotte Schubert, Blumen hat Lothar Techritz im Angebot und Martha Schubert ihr kleines Schuhlädchen. In der Borsbergstraße 16, im Geschäft des einst zur anderen Straßenseite gewechselten Schuhhaus Grabe, bietet Sattlermeister Willibald Starke seine Lederwaren, von Galanteriewaren bis hin zu großen Schrankkoffern, feil und letztlich endet die Geschäftstätigkeit im Eckhaus zur Krenkelstraße mit dem Kolonialwarenhändler Oscar Reichler, dem Friseur Erwin Szumkowiak, dem Herrenwäschegeschäft von Hilmar Hallbauer und das der Schneiderin Agnes Mähler. nach der Überquerung der Krenkelstraße prägen wiederum, bis zum Fürstenplatz hin, Stadtvillen das Bild auf der Borsbergstraße. Neben reinen Wohnzwecken vor allem von Ärzten, Rechtsanwälten und der so genannten Oberschicht bezogen. Eine Handelstätigkeit ist in diesen Häusern, bis auf einige Vertreter, nicht zu verzeichnen. Am Ende der Borsbergstraße, schon am Fürstenplatz, gibt es einen Taxihaltestande und nachts halten die Droschken aber zweckmäßigerweise gleich am Fahrbahnrand der Borsbergstraße.

Aufwachen, unsere Zeitreise ist zu Ende. Von dieser alten Borsbergstraße, vor allem dieser genannten Ladengeschäfte ist fast gar nichts mehr zu sehen. Diese alte Borsbergstraße verglühte im Feuersturm des 13. Februar 1945. Lediglich die Stadtvillen am Anfang der Straße bis zur Herz Jesu Kirche und ein kleiner Gebäuderest auf der linken Seite blieben, mehr oder weniger beschädigt, stehen. Darüber und über die Zeit des schwierigen Neubeginns wird die nächste Seite berichten.

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